Eine Woche Irland im November
Irland im November? Das klingt zunächst einmal nach Regen, Nieselregen und ziemlich viel Nebel. Und genau davon haben wir während unserer einwöchigen Rundreise auch einiges bekommen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – passten das Wetter, die grünen Landschaften, die alten Burgruinen und die schroffen Küsten ziemlich gut zusammen.
Vom 21. bis zum 28. November waren wir auf der Insel unterwegs. Unsere Reise begann in Howth, führte uns über die Cliffs of Moher in den Südwesten und endete schließlich mit zwei Tagen in Dublin.
Unsere ersten Tage in Howth
Als wir in Howth ankamen, war es bereits dunkel. Unsere Gastgeberin Emer begrüßte uns und zeigte uns unser Zimmer. Es war kein klassisches Gästezimmer, sondern wirkte wie ein Raum, den die Familie selbst nicht mehr regelmäßig brauchte. Wir hatten das Gefühl, im früheren Zimmer ihres inzwischen ausgezogenen Sohnes zu schlafen.
Genau solche persönlichen Unterkünfte mögen wir an Airbnb: Man wohnt nicht in einem Hotel, sondern ein kleines Stück weit im Zuhause anderer Menschen.
Am nächsten Morgen hatte Emer uns im Wohnzimmer ein Frühstück mit Toast und Marmelade vorbereitet. Einfach, aber richtig lecker und ein schöner Start in unseren ersten Tag in Irland.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Howth Cliff Walk. Der Himmel war blau und die Sonne schien, gleichzeitig wehte uns an der Küste ein kräftiger Wind um die Ohren. Der Weg führte uns oberhalb der Klippen entlang und bot immer wieder tolle Ausblicke auf das Meer, die vorgelagerten Inseln und den Baily Lighthouse.
Anschließend liefen wir zurück zum Hafen. Charlys Mutter kannte Howth von ihren eigenen Besuchen und hatte uns empfohlen, dort Fish & Chips zu essen. Nach dem Cliff Walk kam uns dieser Tipp gerade recht, also setzten wir ihn natürlich direkt in die Tat um.
Am Abend gingen wir noch in einen typisch irischen Pub. Spätestens damit waren wir endgültig in Irland angekommen.
Das für Irland im November wohl etwas passendere Wetter ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Im weiteren Verlauf unserer Reise begleiteten uns immer wieder Regen, Niesel und Nebel.
Kilmacduagh und die Cliffs of Moher
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu den Cliffs of Moher. Zuvor legten wir einen Zwischenstopp an der alten Klosteranlage von Kilmacduagh ein.
Zwischen grünen Wiesen und niedrigen Steinmauern standen die Ruinen mehrerer Kirchen und ein auffallend hoher Rundturm. Das graue und nasse Novemberwetter passte irgendwie ziemlich gut zu diesem Ort.
Anschließend fuhren wir weiter zu den Cliffs of Moher. Dort wurde aus dem Regen endgültig Nieselregen mit Nebel – und von den berühmten Klippen war zeitweise gar nicht so viel zu sehen.
Natürlich hätten wir uns ein wenig mehr Aussicht gewünscht. Aber so ist das eben, wenn man im November nach Irland reist. Immerhin konnten wir zwischendurch doch noch einen Blick auf die gewaltigen Klippen erhaschen.
Von dort ging es für uns weiter nach Limerick, wo wir die nächste Nacht verbrachten.
Alte Mauern im County Kerry
Am folgenden Tag führte unsere Rundreise weiter in Richtung County Kerry. In der Nähe von Cahersiveen machten wir Halt am Ballycarbery Castle.
Ein schmaler Weg führte über die nasse Wiese hinauf zu der alten Burgruine, deren Mauern teilweise vollständig von Efeu überwachsen waren. Wir liefen zwischen den alten Mauern hindurch und entdeckten durch eine der Öffnungen den Blick über die grünen Wiesen bis hinüber zum Wasser.
Zusammen mit dem grauen Novemberwetter hatte die Ruine eine ganz besondere Stimmung.
Nicht weit vom Ballycarbery Castle entfernt besuchten wir anschließend das Cahergall Stone Fort. Durch einen schmalen Eingang gelangten wir in die kreisförmige Anlage. In die mächtigen Steinmauern waren Stufen eingelassen, über die wir bis nach oben steigen konnten.
Von dort hatten wir einen weiten Blick über die grünen Wiesen, einzelne Häuser und die zerklüftete Küste. Auch wenn sich der Himmel weiterhin grau und regnerisch zeigte, konnten wir die Landschaft bis weit hinaus aufs Meer sehen.
Gerade solche Orte mögen wir auf unseren Reisen besonders. Keine große Inszenierung, sondern alte Mauern, viel Landschaft und genügend Zeit, um alles auf eigene Faust zu erkunden.
Frühstück am Hook Lighthouse
Am Hook Head machten wir Halt am Hook Lighthouse. Bereits im 13. Jahrhundert wurden hier Leuchtfeuer entzündet. Damit gehört der Leuchtturm zu den ältesten Europas und gilt als der älteste noch betriebene Leuchtturm Irlands.
Rund um den markanten schwarz-weiß gestreiften Turm liefen wir über die dunklen, auffällig geschichteten Felsen bis hinunter ans Wasser.
Anschließend konnten wir uns im Café des Leuchtturms wieder aufwärmen. Bei einer tollen Aussicht frühstückten wir dort, bevor unsere Rundreise weiterging.
Nur wenige Minuten später machten wir noch einen Abstecher nach Slade. Direkt am kleinen Hafen stand das Slade Castle, das mit seinen hohen Mauern beinahe etwas zu groß für den kleinen Ort wirkte.
Durch den Nebel von Glendalough
Am Nachmittag erreichten wir Glendalough. Zwischen den Ruinen der alten Klosteranlage ragte der hohe Rundturm aus der Landschaft. Über dem Tal zeigte sich sogar ein blasser Regenbogen.
Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg durch den Wald. Zwischen moosbewachsenen Bäumen führte der Weg zum Poulanass Waterfall und weiter bis zum Upper Lake.
Der See lag zwischen den Bergen, deren Hänge teilweise im Nebel verschwanden. Das Wetter war grau und nass, passte aber irgendwie perfekt zu Glendalough. Kurz bevor es dunkel wurde, machten wir auf einem der Holzstege noch ein gemeinsames Foto.
Danach ging es für uns weiter nach Dublin, wo wir die letzten Tage unserer Reise verbringen wollten.
Burger in Dublin
Nach dem Einchecken entdeckten wir Pitt Bros. Dort gab es nicht nur richtig gutes Barbecue, sondern anschließend auch noch Softeis, das man sich selbst zapfen konnte. Damit hatte uns der Laden natürlich ziemlich schnell überzeugt.
Von Bunsen hatten wir ebenfalls schon viel Gutes gehört. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen – und vielleicht war genau das das Problem. Dort wurden wir leider eher enttäuscht.
Pitt Bros blieb für uns deshalb der klare Gewinner.
Dublin zu Fuß entdecken
An unserem letzten vollständigen Tag in Irland nahmen wir an einer kostenlosen Walking Tour durch Dublins Southside teil, auf die wir über TripAdvisor aufmerksam geworden waren.
Einen festen Preis gab es nicht. Am Ende konnte jeder selbst entscheiden, was ihm die Tour wert war, und dem Guide einen entsprechenden Betrag geben.
Gemeinsam mit der Gruppe liefen wir zunächst über das Gelände des Trinity College. Zwischen den historischen Gebäuden stand der Campanile, der markante Glockenturm der Universität.
Anschließend führte uns die Tour durch die regennassen Straßen rund um Temple Bar. Natürlich durfte auch ein Foto des berühmten roten Pubs nicht fehlen.
Unser Weg führte außerdem durch die Gegend rund um Guinness. Zwischen den alten Backsteingebäuden erzählte unser Guide viel über die Menschen, die hier für die Brauerei arbeiteten und teilweise in eigens für sie errichteten Häusern lebten.
Außerdem erfuhren wir einiges über James Joyce und seine Bücher, die eng mit Dublin und den Straßen der Stadt verbunden sind.
Gerade diese Geschichten machten die Tour für uns so interessant. Wir liefen nicht einfach nur an den bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei, sondern erfuhren unterwegs viel über die Stadt und die Menschen, die hier gelebt hatten.
Später erreichten wir Dublin Castle. Wir liefen durch die Anlage und blickten vom Garten auf den Record Tower und die Chapel Royal. Auf der anderen Seite standen plötzlich leuchtend bunte Häuser neben den historischen Schlossgebäuden – eine etwas ungewöhnliche, aber ziemlich auffällige Mischung.
Eine Woche ist zu kurz
Nach einer Woche endete unsere Rundreise durch Irland wieder in Dublin.
Wir haben in diesen Tagen alte Klosteranlagen, Burgruinen, Steinfestungen, Leuchttürme und jede Menge grüne Landschaft gesehen. Wir standen an den Cliffs of Moher im Nebel, liefen bei blauem Himmel und kräftigem Wind über die Klippen von Howth und wanderten im Nieselregen durch Glendalough.
Das Wetter war nicht immer auf unserer Seite. Aber irgendwie gehörten Regen, Nebel und nasse Schuhe zu dieser Reise dazu.
Vor allem für Dublin waren zwei Tage definitiv zu kurz. Die Stadt hat so viel zu bieten, dass wir während unserer Walking Tour nur einen kleinen Teil davon gesehen haben.
Irland, wir kommen bestimmt noch einmal wieder – beim nächsten Mal vielleicht mit etwas mehr Zeit. Und möglicherweise auch mit etwas weniger Regen.