Bali & Lombok – Step 03: Zwischen Yogamatte, Tempelzeremonie und Agoda-Chaos
Charly ·
Wir müssen weiter. Nach Uluwatu – mit einem kleinen Abstecher nach Canggu.
Über Facebook haben wir zwei Mädels kennengelernt, mit denen wir uns ein Taxi von Ubud nach Canggu teilen wollen. Ein Preis ist vereinbart, der Fahrer soll uns an unserer Unterkunft abholen und eigentlich könnte die Sache ganz einfach sein. Eigentlich.
Als er uns abholen soll, möchte er plötzlich doch mehr Geld haben. Am Ende zahlen wir für die Fahrt von Ubud nach Canggu insgesamt 300.000 Rupiah (etwa 21 Euro). Für unsere Verhältnisse ist das natürlich nicht viel Geld. Darum geht es aber auch gar nicht. Wenn vorher ein Preis vereinbart wurde und dieser beim Einsteigen plötzlich nicht mehr gelten soll, nervt es einfach.
So schön Bali ist und so viel diese Insel zu bieten hat: Dieses ständige Gefühl, bei Fahrten und auf Märkten erst einmal herausfinden zu müssen, welcher Preis nun wirklich gilt, geht uns langsam auf den Sender.
In Canggu trennen sich unsere Wege wieder. Nach Uluwatu fahren Michel und ich mit einem anderen Fahrer weiter. Die Uber-App funktioniert auf Bali zwar, Uber scheint hier aber nicht besonders gern gesehen zu sein. Mit Taxis, privaten Fahrern und den jeweiligen Zuständigkeiten ist das ohnehin so eine Sache.
Das Tregge Surf Camp und unser Zimmer mit Klimaanlage
In Uluwatu angekommen, wollen wir nur noch unser Zimmer im Tregge Surf Camp beziehen. Gebucht haben wir über Agoda: ein Zimmer mit Klimaanlage für 200.000 Rupiah (knapp 14 Euro) pro Nacht.
Eine Klimaanlage ist auf Bali für uns übrigens kein unnötiger Luxus. Mit der Hitze allein könnten wir vermutlich noch umgehen, aber die hohe Luftfeuchtigkeit macht uns teilweise wirklich fertig. Sobald wir aus unserem schön heruntergekühlten Bungalow treten, beschlagen nicht nur Brillen und Kamera – wir im Grunde gleich mit. Wir mögen Bali wirklich sehr, aber an dieses Wetter werden wir uns wohl nicht mehr gewöhnen.
Vor Ort schaut man uns allerdings ziemlich ungläubig an. Die Zimmer mit Klimaanlage kosten hier ausnahmslos 300.000 Rupiah (etwa 21 Euro). Für 200.000 Rupiah gibt es über Booking.com Zimmer mit Ventilator – aber kein Zimmer mit Klimaanlage. Unsere Buchungsbestätigung sagt trotzdem eindeutig etwas anderes.
Zum Glück hat Michel die natürlich sofort griffbereit. Seine Planungswut hat also doch ihre Vorteile: Wenigstens können wir beweisen, dass wir uns die Klimaanlage nicht spontan eingebildet haben. Michel nennt es vermutlich gute Vorbereitung. Ich nenne es in diesem Moment ausnahmsweise auch so.
Die Situation ist für beide Seiten schwierig. Wir möchten das Zimmer beziehen, das wir gebucht haben. Die Gastgeber wiederum möchten verständlicherweise den Preis erhalten, zu dem sie dieses Zimmer normalerweise vermieten. Den Fehler hat offenbar das Buchungsportal gemacht.
Also ruft Michel bei Agoda an.
Nachdem man ihm erklärt, dass das alles sehr, sehr seltsam sei, verbringt er geschlagene 20 Minuten in der Warteschleife. Währenddessen erhält auch das Surf Camp zwei Anrufe. Als Michel endlich wieder jemanden am Telefon hat, präsentiert Agoda die vermeintliche Lösung: Wir könnten kostenlos stornieren und müssten nichts bezahlen.
Tolle Idee. Findet zumindest Agoda.
Michel erklärt noch einmal, dass wir gar nicht stornieren möchten. Wir sind gerade mit dem Taxi angereist und würden unser gebuchtes Zimmer gern beziehen, statt uns mit unserem Gepäck eine neue Unterkunft zu suchen.
Schließlich einigen wir uns darauf, dass wir die Differenz von 100.000 Rupiah (rund 7 Euro) pro Nacht zunächst selbst zahlen. Insgesamt sind das 300.000 Rupiah, also etwa 21 Euro, die Agoda uns anschließend erstatten will. Damit können sowohl wir als auch die Unterkunft leben.
Zumindest theoretisch. Bis heute hat Agoda es trotz mehrerer E-Mails und Telefonate nicht geschafft, uns das Geld zu erstatten.
Was tatsächlich hinter den Kulissen passiert ist, erfahren wir später von unseren Gastgebern: Zunächst versucht Agoda, das Zimmer für uns doch noch zum falschen Preis von 200.000 Rupiah zu bekommen. Als der Gastgeber darauf besteht, dass er dieses Zimmer nie zu diesem Preis anbietet, meldet sich Booking.com bei ihm und fragt, ob wir kostenlos stornieren dürften – angeblich, weil wir das so möchten.
Möchten wir nicht.
Das Ganze ist ärgerlich. Gleichzeitig kann die Familie im Tregge Surf Camp nichts dafür. Im Gegenteil: Wir fühlen uns dort von Anfang an wohl, und in den kommenden Tagen zeigt sich noch mehrfach, wie herzlich unsere Gastgeber sind.
Strände, Surfer und Sonnenuntergang
Vom Surf Camp können wir zu Fuß Richtung Meer laufen. Rund um Uluwatu gibt es unzählige schöne Strände, kleine Cafés und natürlich Surfer. Sehr viele Surfer.
Wir schauen lieber zu, wie andere sich in die Wellen stürzen. Nebenbei halten wir immer wieder Ausschau nach Delfinen. Selbst auf ein Brett zieht es uns allerdings nicht. Zuschauen reicht für den Anfang vollkommen.
Für unsere Erkundungstour mieten wir im Surf Camp einen Roller. Michel fährt, ich sitze hinten – damit ist die Aufgabenverteilung geklärt. So kommen wir zum Padang Padang Beach, an dem wir eine Weile bleiben. Der Strand ist ziemlich voll, aber trotzdem wunderschön.
Inzwischen haben wir auf dieser Reise so viele schöne Strände gesehen, dass es immer schwieriger wird, einen davon zum schönsten zu erklären. Rund um Uluwatu hat jeder Strand seinen eigenen Reiz. Michels Favoriten bleiben trotzdem die Strände auf Lombok. Vielleicht können das nur noch die Gilis toppen – das müssen wir beim nächsten Mal herausfinden.
Unsere erste Yogastunde – das „Light“ war missverständlich
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker sehr früh. Um 7:30 Uhr beginnt unsere erste Yogastunde beim Morning Light Yoga – direkt mit Blick aufs Meer.
Das „Light“ im Namen steht allerdings für das wunderschöne Licht am Morgen und nicht dafür, dass der Kurs besonders leicht wäre. Diese Information wäre für uns vorher durchaus interessant gewesen.
Die Stunde dauert nämlich nicht 60, sondern 90 Minuten und ist für alle Erfahrungsstufen geeignet. Also angeblich auch für uns.
Alle anderen sehen aus, als hätten sie schon häufiger eine Yogamatte aus der Nähe gesehen. Michel und ich dagegen sind absolute Anfänger und außerdem nicht gerade für unsere Sportlichkeit bekannt. Entsprechend anstrengend sind diese eineinhalb Stunden für uns. Sehr anstrengend. Aber auch wirklich gut.
Und die Kulisse könnte kaum schöner sein: Während wir versuchen, einigermaßen würdevoll durch die Übungen zu kommen, schauen wir direkt aufs Meer.
Nach dem Yoga bekommt jeder von uns eine gekühlte frische Kokosnuss. Eine dringend benötigte Erfrischung. Ich glaube, die anderen Teilnehmer sind anschließend ein kleines bisschen stolz auf uns. Vielleicht sind sie aber auch einfach nur erleichtert, dass wir es bis zum Ende geschafft haben.
Frühstück im Land’s End Café
Direkt nach dem Yoga fahren wir mit dem Roller zum Land’s End Café. Die Atmosphäre ist wunderbar entspannt. Das Café ist deutlich westlich geprägt, gleichzeitig aber schön im balinesischen Stil gestaltet.
Ich bestelle einen Frühstücksburrito. Michel bekommt eine liebevoll angerichtete Bowl mit Granola oder Müsli und viel frischem Obst. Dazu gibt es für ihn einen Kaffee aus dem Pressfilter – einen der wenigen, wenn nicht sogar den einzigen richtigen Kaffeegenuss für ihn auf Bali.
Nach eineinhalb Stunden Yoga schmeckt das Frühstück sowieso besonders gut.
Anschließend fahren wir noch einmal zurück ins Tregge Surf Camp. Bevor das Tagesprogramm weitergeht, müssen wir dringend duschen. Danach machen wir uns auf den Weg zum Uluwatu-Tempel.
Eine besondere Zeremonie im Uluwatu-Tempel
Wer in Uluwatu ist, sollte sich nicht nur den Tempel selbst, sondern auch die eindrucksvolle Landschaft rundherum ansehen. Der Pura Luhur Uluwatu liegt hoch über dem Meer auf den Klippen. Schon der Blick über die Küste ist die Fahrt wert.
Als wir dort ankommen, geraten wir mitten in eine außergewöhnlich große Zeremonie. Im Tempel findet gerade die Karya Padudusan Agung statt – eine mehrwöchige religiöse Zeremonienreihe, die sich zu diesem Zeitpunkt in ihrer Hauptphase befindet.
Überall sehen wir Familien in weißer Zeremonialkleidung. Frauen tragen kunstvoll gestapelte Opfergaben auf dem Kopf, immer wieder kommen weitere Gruppen am Tempel an. Bestimmte Bereiche sind den Gläubigen vorbehalten und durch Tore abgetrennt. Durch die Tore können wir aber auf die geschmückten Schreine und die betenden Familien schauen.
Wir verstehen längst nicht alles, was während der einzelnen Rituale geschieht. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist es unglaublich interessant, das Geschehen eine Weile zu beobachten.
Auf dem weitläufigen Gelände kann man viel Zeit verbringen, den Blick über das Meer schweifen lassen und tatsächlich ein wenig zur Ruhe kommen.
Zumindest so lange, bis einer der ungefähr eine Million anderen Touristen fragt, ob man zufällig seine Reisegruppe gesehen habe. Die hat sich nämlich in Luft aufgelöst, während noch schnell das eine letzte Foto gemacht werden musste.
Hier ist wirklich einiges los.
Im Nachhinein fragen wir uns, ob es für die Teilnehmenden der Zeremonie nicht angenehmer wäre, wenn zumindest der innere Tempelbereich während dieser Zeit noch stärker vor Touristen geschützt würde. Andererseits wäre es für uns sehr schade gewesen, nichts davon miterleben zu dürfen. Die entscheidenden Bereiche sind den Gläubigen vorbehalten, und trotzdem erhalten Besucher einen kleinen Einblick.
Irgendetwas ist halt immer.
Für uns ist es auf jeden Fall ein ganz besonderer Tag. Am Abend laufen wir zur Single Fin Bar am Blue Point Beach. Unterwegs werden wir immer wieder gefragt, ob wir nicht lieber ein Taxi nehmen möchten. Das kennen wir bereits aus Ubud. Dass zwei Menschen ein Ziel freiwillig zu Fuß erreichen wollen, scheint hier nur schwer vorstellbar zu sein.
Die Single Fin Bar ist deutlich westlicher geprägt als viele andere Orte, die wir auf Bali besucht haben. Überall sind Surfer, Reisende und vermutlich auch einige Menschen, die für längere Zeit auf Bali leben oder ganz hierher ausgewandert sind. Zum Sonnenuntergang wird es brechend voll. Mit einem Getränk und einem guten Platz lässt sich der Abend hier aber ziemlich gut verbringen.
Viel besser hätten wir unseren letzten richtigen Tag auf Bali kaum abschließen können.
Ein Abschied, der im Gedächtnis bleibt
Und dann war es das tatsächlich schon mit Bali. Zwei Wochen sind vorbei.
Unser Flug geht erst mitten in der Nacht. Zum Glück dürfen wir unser Gepäck im Tregge Surf Camp unterstellen und verbringen den Tag noch am Strand und in verschiedenen Cafés.
Am Abend essen wir noch einmal im Surf Camp. Wir bestellen mit Käse gefüllte Pfannkuchen – und unsere Gastgeber schenken sie uns einfach. Vor der Abfahrt dürfen wir sogar noch einmal duschen.
Wir haben einige Lebensmittel übrig, die wir der Familie geben. Sie freut sich so sehr darüber, dass wir ihr Geschenk im Gegenzug unmöglich ablehnen können.
Diese Herzlichkeit steht in einem krassen Gegensatz zu den Erfahrungen, die wir zuvor mit manchen Straßenverkäufern, Fahrern und schließlich Agoda gemacht haben. Vielleicht sollten wir wirklich versuchen, uns stärker auf solche positiven Begegnungen zu konzentrieren und uns nicht mehr so sehr über Taxifahrer und überteuerte Angebote aufzuregen.
Hat ja hervorragend funktioniert, wenn man sich anschaut, wie viel Raum das Thema schon wieder in diesem Beitrag bekommen hat.
Aber egal. Ab jetzt wird alles anders.
Schließlich heißt es Abschied nehmen. Auf der Fahrt zum Flughafen laufen die Vengaboys mit "we are going to ibiza" in Dauerschleife und liefern den Soundtrack für unsere letzten Kilometer auf Bali. Wahrscheinlich gibt es unauffälligere Möglichkeiten, sich von einer Insel zu verabschieden – aber kaum passendere für den Übergang zu unserem nächsten Abenteuer.
Wir fliegen nach Australien – in ein Land, das ein ziemlicher Gegensatz zum kleinen, günstigen und manchmal herrlich chaotischen Bali sein dürfte. Und Michel freut sich ganz besonders darauf, dass wir dort endlich wieder selbst fahren können.
Ich freue mich auch. Und als wir in den Flieger steigen, geht es noch immer nicht nach Hause.
Es geht weiter!