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Gardasee 2014 – eine kurze Auszeit, die noch kürzer wurde

Charly & Micha ·

Gardasee 2014 – eine kurze Auszeit, die noch kürzer wurde

11. bis 15. April 2014

Im April wollten wir für eine Woche nach Italien an den Gardasee. Das Auto war vollgepackt, der Wetterbericht klang sensationell und am 11. April ging es am Nachmittag los.

Der Plan war einfach: ein paar Tage Sonne, gutes Essen und ganz viel Gardasee.

Paul hatte allerdings noch einen eigenen Plan.

Mit dem Navi bis fast vor die Haustür

Nach ungefähr zehneinhalb Stunden Fahrt erreichten wir am späten Abend unsere Ferienwohnung. Zumindest beinahe.

Unser Vermieter hatte uns eine gute Wegbeschreibung geschickt. Wir hatten aber schließlich ein Navigationssystem – und ignorierten seine Beschreibung deshalb selbstverständlich.

Das Navi führte uns tatsächlich bis auf wenige hundert Meter an die Ferienwohnung heran. Was es dabei offenbar nicht berücksichtigt hatte: Unser Auto musste auch noch zwischen eine Hauswand und eine Mauer passen.

Die Straße wurde immer schmaler, bis endgültig klar war, dass es hier für uns nicht weiterging. Also blieb nur der Rückwärtsgang. Mit einem Auto, das aus allen Richtungen piepte, ging es mitten in der Nacht zurück und rückwärts um eine Kurve, die auf der Hinfahrt noch erstaunlich breit ausgesehen hatte.

Fotos gibt es davon leider keine. In diesem Moment waren wir vermutlich einfach mit anderen Dingen beschäftigt.

Am nächsten Morgen konnten wir über die letzten Kilometer unserer Anreise immerhin schon wieder lachen.

Das war die schmale Gasse
Das war die schmale Gasse

Rund um Cecina

Nach dem Frühstück fuhren wir zunächst in das nächstgelegene Dorf Cecina, um einzukaufen und unseren Kühlschrank zu füllen.

Cecina ist ein kleiner Ortsteil von Toscolano Maderno und liegt etwas oberhalb des Gardasees. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in den bekannteren Orten direkt am Wasser. Schmale Straßen, alte Häuser und die grüne Landschaft rundherum machen den Ort zu einem schönen Ausgangspunkt, um einfach loszulaufen und die Gegend zu erkunden.

Das Wetter war tatsächlich so schön wie angekündigt. Nachdem unsere Einkäufe verstaut waren, machten wir uns deshalb direkt zu Fuß auf den Weg.

Zum Wandern ist die Gegend wirklich hervorragend – auch wenn „ein bisschen spazieren gehen“ vor einem Berg grundsätzlich harmloser klingt, als es am Ende ist.

Weiter oben entdeckten wir eine kleine Kirche. Dort war es wunderbar ruhig und wir hatten eine großartige Aussicht über die Umgebung. Natürlich entstanden dabei auch einige Fotos.

Nach unserer Tour machten wir uns etwas zu essen und entspannten auf dem Balkon. Die Aussicht von dort war traumhaft. Wenn man ganz genau hinsah, konnte man sogar ein kleines Stück vom Gardasee entdecken.

Sehr klein – aber eindeutig vorhanden. 😉

sogar mit Seeblick ;-)
sogar mit Seeblick ;-)
Blick über den Golfplatz
Blick über den Golfplatz
hello buddy
hello buddy
hello sunshine
hello sunshine
Lieferdienst auf italienisch
Lieferdienst auf italienisch
lecker
lecker

Ein Sonntag in Sirmione

Am Sonntag fuhren wir mit dem Auto nach Sirmione.

Wir waren bei dem großartigen Wetter und an einem Sonntag natürlich nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Entsprechend viel war los.

Sirmione liegt auf einer schmalen Halbinsel, die weit in den südlichen Gardasee hineinragt. Schon am Eingang zur Altstadt steht mit der Scaligerburg das bekannteste Wahrzeichen des Ortes. Dahinter führen enge Gassen vorbei an kleinen Geschäften, Restaurants und erstaunlich vielen Möglichkeiten, Eis zu essen.

Bekannt ist Sirmione außerdem für seine Thermalquellen und die Grotten des Catull. Hinter diesem Namen verbergen sich allerdings keine natürlichen Grotten, sondern die Überreste einer großen römischen Villa an der Spitze der Halbinsel.

Wir ließen uns an diesem Tag einfach durch den Ort treiben. Obwohl es wirklich voll war, hat uns Sirmione richtig gut gefallen. Es gab viel zu sehen, gutes Essen, jede Menge Eis und dieses entspannte italienische Lebensgefühl, bei dem man automatisch ein bisschen langsamer wird.

An einem Stand an der Straße durften wir außerdem Olivenöl probieren. Dabei erfuhren wir ein wenig mehr darüber und stellten fest, dass Olivenöl längst nicht einfach nur Olivenöl ist.

Natürlich blieb es nicht beim Probieren. Etwas davon durfte anschließend mit uns weiterreisen.

Genau solche spontanen Entdeckungen machen einen Ausflug für uns aus: Man sieht etwas am Straßenrand, bleibt stehen, probiert sich durch und fährt am Ende mit einer Flasche Olivenöl und einer kleinen Erinnerung mehr im Gepäck weiter.

Für Sirmione sollte man sich auf jeden Fall etwas Zeit nehmen. Wir hätten dort problemlos noch länger durch die Gassen laufen und uns weiter durch das Eisangebot arbeiten können.

Sirmione
Sirmione

Frühstück mit Blick auf den Golfplatz

Den Montag starteten wir deutlich entspannter. Wir schliefen aus und frühstückten auf dem Balkon.

Unsere Ferienwohnung lag direkt oberhalb des Golf Bogliaco. Der Golfplatz wurde bereits 1912 gegründet und gehört damit zu den ältesten Golfplätzen Italiens.

Während des Frühstücks konnten wir das Geschehen auf dem Platz beobachten. Die Spieler liefen über das Gelände, bereiteten konzentriert ihre Schläge vor und gingen ihr vermutlich sehr ernst gemeintes Tagesprogramm an.

Wir hatten währenddessen Urlaub und mussten höchstens entscheiden, was wir später essen wollten.

So ließ es sich ganz gut aushalten.

Anschließend spazierten wir durch das Dorf und am Golfplatz entlang. Unterwegs begegneten uns noch zwei Bewohner, die sich offenbar ein wenig ins Dorf verirrt hatten.

Damit waren wir immerhin nicht die Einzigen, die während dieses Urlaubs gelegentlich Schwierigkeiten mit dem richtigen Weg hatten.

Am Abend ließen wir den Tag bei einer leckeren Pizza direkt am See ausklingen.

So schön kann Urlaub sein.

Und dann kam Dienstag.

und wieder der Golfplatz
und wieder der Golfplatz
Wasser, Schnee und Pizza
Wasser, Schnee und Pizza
sie kommen...:-)
sie kommen...:-)
hello friend
hello friend

Paul hatte andere Pläne

Am Dienstagvormittag erhielten wir die Nachricht, dass in der Nacht bei unserer Tierärztin und der angeschlossenen Tierpension eingebrochen worden war.

Dort waren mehrere Katzen untergebracht. Von allen Katzen kam natürlich nur einer auf die Idee, die Gelegenheit zu nutzen und Reißaus zu nehmen:

Paul.

Während die anderen Katzen offenbar beschlossen hatten, lieber dort zu bleiben, war er verschwunden.

Paul war zwar Freigänger und draußen durchaus erfahren. Aber rund um die Tierpension befand er sich nicht in seinem vertrauten Revier, sondern in einer vollkommen fremden Umgebung. Wir waren gleichzeitig mehrere hundert Kilometer entfernt und konnten überhaupt nicht einschätzen, wohin er gelaufen war oder ob er zur Tierärztin zurückfinden würde.

Entsprechend groß war unsere Sorge.

Wir überlegten noch einige Stunden, was wir tun sollten. Aber mit dem Wissen, dass Paul irgendwo rund um Herford verschwunden war, konnten wir unseren Urlaub natürlich nicht einfach fortsetzen.

Also packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Rückweg.

Rekordfahrt mit Leberkäsebrötchen

Nach gerade einmal acht Stunden Fahrt kamen wir wieder in Herford an.

Inklusive Leberkäsebrötchenpause. 😉

Das muss ein persönlicher Rekord gewesen sein. Wie genau wir es so schnell vom Gardasee zurückgeschafft haben, wissen wir selbst nicht. Wahrscheinlich hilft es, wenn man sich gerade große Sorgen um seinen Kater macht.

Bei der Tierärztin angekommen, trafen wir auf völliges Chaos. Sie war verständlicherweise komplett außer sich und gemeinsam begannen wir, nach Paul zu suchen.

Tag und Nacht auf der Suche

Wir suchten Tag für Tag und Nacht für Nacht.

Wir liefen durch die Umgebung, riefen nach Paul, hängten Zettel auf und hielten überall Ausschau nach einem vertrauten Katzengesicht.

Sogar die Neue Westfälische berichtete über den Einbruch und den verschwundenen Kater. Paul hatte es damit unter der Überschrift „Kater Paul wird vermisst“ in die Zeitung geschafft.

Katzen begegneten uns während der Suche reichlich. Vermutlich hätten wir in diesen Tagen ohne größere Schwierigkeiten mindestens zehn Katzen einfangen können.

Bei näherem Hinsehen stellte sich allerdings jede einzelne von ihnen als Nicht-Paul heraus.

Paul blieb verschwunden.

Obwohl er Freigänger war, half uns das in dieser Situation nur wenig. Er kannte sein eigenes Revier, aber nicht die Umgebung rund um die Tierpension. Wir wussten nicht, wo er sich versteckte, wie weit er gelaufen war oder ob er den Weg zurückfinden würde.

Mit jedem weiteren Tag ohne eine Spur von ihm wurde unsere Sorge größer.

Dann kam schließlich der Tag, an dem wir eigentlich aus unserem Urlaub zurückgekehrt wären.

Und genau an diesem Tag klingelte das Telefon.

Die Tierärztin war dran.

Paul war wieder da.

Kater Paul ist wieder da

Abgemagert und offenbar ziemlich genervt stand Paul plötzlich vor der Tür der Tierärztin – als wäre vor allem die restliche Welt für seine verspätete Rückkehr verantwortlich.

Wo er die ganze Zeit gewesen ist, wissen wir nicht.

Wir vermuten, dass er nachts in eine Garage, einen Schuppen oder ein ähnliches Gebäude geraten und dort versehentlich eingesperrt worden ist. Vielleicht waren die Menschen, denen das Gebäude gehörte, selbst gerade im Urlaub und kamen erst einige Tage später wieder nach Hause.

Möglicherweise waren sie sogar am Gardasee.

Während wir also unseren Urlaub abbrachen, um Paul zu suchen, saß Paul womöglich irgendwo fest, weil jemand anderes gerade seinen Italienurlaub genoss.

Beweisen können wir das natürlich nicht. Es würde aber erklären, warum er nach mehreren Tagen plötzlich wieder vor der Tür der Tierärztin stand.

Nach „Kater Paul wird vermisst“ schaffte er es gleich ein zweites Mal in die Zeitung. Dieses Mal zum Glück mit einer wesentlich schöneren Nachricht:

„Kater Paul ist wieder da.“

Unser Fazit zum Gardasee

Unsere geplante Woche am Gardasee endete schon nach wenigen Tagen. Trotzdem hat die kurze Zeit ausgereicht, um uns Lust auf ein Wiedersehen zu machen.

Die Landschaft rund um Cecina, die kleine Kirche auf dem Berg, unser Frühstück mit Blick auf den Golfplatz, der Ausflug nach Sirmione, das Olivenöl vom Straßenstand und die Pizza direkt am See waren genau die Art von Italienurlaub, von der wir gerne noch etwas mehr gehabt hätten.

Die nächtliche Anreise würden wir beim nächsten Mal allerdings lieber mit der Wegbeschreibung des Vermieters antreten. Manchmal weiß der Ortskundige eben doch mehr als das Navi.

Und Paul?

Der ist endlich wieder zu Hause – dünner als vorher, ziemlich genervt und vermutlich mit einer Geschichte im Gepäck, die er uns leider nicht erzählen kann.

Wir können endlich aufatmen und überlegen bereits, wann wir unseren abgebrochenen Italienurlaub nachholen.

Denn eines steht fest: Wir wollen wieder an den Gardasee. Beim nächsten Mal nur hoffentlich etwas länger – und ohne vermissten Kater.

Das war Gardasee 2014.

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