DIY – Wie Du deinen Camper aufmotzt

DIY-Camper

Okay, aufmotzen ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben. Denn um einen Camper wie unseren Arthur, der ja immerhin schon mindestens 24 Jahre auf dem Kühler hat, richtig aufzumotzen, benötigt man sicher etwas mehr Zeit, als wir zur Verfügung haben, also viel Spaß mit unserem DIY-Camper.

Aber gut, wir haben Arthur an einem Sonntag gekauft und mussten sowieso noch den Zahnriehmen wechseln lassen, einen Ölwechsel machen und den Ölfilter tauschen. Und dann noch ein paar Kleinigkeiten richten lassen. Also haben wir Wohl oder Übel ein paar Tage um ihn für uns schön zu machen.

Arthur war ja bereits auf unserer „Watchlist“ auf Trademe, bevor wir überhaupt in Neuseeland angekommen sind. Allerdings ist er auch schon nach einigen Tagen wieder rausgeflogen. Wir wollten maximal 13.000 Dollar für unseren Camper ausgeben. Das sind umgerechnet ungefähr 8.500 Euro. Aber wer den Auto-, oder besser Campervanmarkt in Neuseeland kennt, der weis, dass das nicht wirklich einfach ist. Wir hatten Arthur aufgrund des Preises und ein paar anderer Kriterien auf unserer Liste. Allerdings ist er dann irgendwann wieder raus geflogen, weil ich sagte ich fände ihn häßlich. Manchmal ist das eben so, und wenn Du dir die Fotos von Arthur anschaust, wie der gute aussah als wir ihn gekauft haben, dann ist das auch ein wenig verständlich. Charly war da etwas pragmatischer, wir können ja streichen und die Polster neu beziehen. Einfach einen neuen Boden rein und vielleicht sogar die Fronten der Schränke neu bekleben.

Ja klar hab ich gedacht und ihn von der Watchlist geschmissen!

Und dann doch…

Aber als wir dann hier angekommen sind und uns die ersten Camper im real life angesehen haben, wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Man kann natürlich für das Geld auch einen komplett verrosteten Camper bekommen. Der hat dann zwar Automatik, aber wer weis wie lange die noch durchhält. Also haben wir immer wieder bei Trademe reingeschaut und ich habe Arthur gefunden. Charly meinte zwar dass wir ihn schon mal hatten und ich ihn von der Liste geschmissen hätte. Aber ich hab dann einfach das gemacht was alle Männer in meiner Situation tun würden, und mich plötzlich an nichts mehr erinnert.

Also haben wir ihn dann gekauft und dann stand er dann in Auckland auf dem Hof und wartete auf den Mechaniker der den Zahnriehmen und das Öl und die Wasserpumpe und solche Sachen wechseln wollte.

Bestandaufnahme DIY-Camper

Als erstes haben wir damit begonnen den Guten einmal komplett auszuräumen. Wir haben ja mit dem Camper auch noch Stühle, ein Zelt, ein Campingklo und viele andere Sache gekauft. Die Teller und Brettchen und das Besteck waren eher schwierig. Eher ein wenig zusammengewürfelt. Also war klar, dass muss neu. Wir haben alles was nicht mehr in Ordnung war weggeschmissen, alles was okay und gut war sauber gemacht und in einen Op Shop gebracht. Und dann haben wir neue Teller, Gläser, Tassen, Besteck, Pfannen und und und gekauft.

Damit ist der Camper aber nicht gepimpt, weil davon siehste ja gar nix. Ist ja alles versteckt in Schränken und so.

Auf einen Blick war aber direkt klar dass der Boden neu muss. Auf den zweiten Blick haben wir dann gesehen, dass der Boden eigentlich aus drei verschiednen Böden besteht. Das war dann für uns klar, der Boden muss wirklich neu.

Die Vorhänge waren eigentlich für Charly von Anfang ein an Thema. Für mich eher nicht so, klar die waren mega schlimm. Aber ich hatte auch wirklich keine Lust drauf neue Vorhänge zu machen.

Ja und so ging das dann weiter, eigentlich hätten wir mindesten 20 Sachen gehabt die wir gerne ändern wollten. Und einige davon haben wir dann auch umgesetzt.

Boden

Das war vielleicht noch eines der einfachsten Sachen. Wir haben einfach alle Leisten abgeschraubt und den alten PVC rausgerissen. Und, oh Wunder, darunter war noch einer, ein bisschen schöner aber ja auch nicht mehr zu gebrauchen. Also auch diesen raus. Dann wurde alles richtig gut gereinigt, Kleberückstände müssen weg und Unebenheiten möglichst auch. Das ging eigentlich ganz gut, einfach mit einem Spachtel.

Wir haben uns für einen neuen PVC entschieden. Klar Holz ist auch immer toll, aber nicht für einen Camper den man gerade mal ein halbes Jahr fahren kann. Es gibt tolles PVC in Holzoptik, aber wir haben uns dennoch für etwas helleres entschieden. Arthur ist ja nicht gerade riesig und wir denken wenn dann noch ein dunkler Boden dazu kommt, dann wirkt alles noch ein wenig kleiner.

Der Boden war eigentlich schnell gefunden. Es war ein Boden mit einem einfachen Muster, das war auch ganz gut, weil dann muss man nicht so drauf achten wie und wo man ansetzt. Und man hat nicht so viel Verschnitt.

Und Boden legen

Also alles ausgemessen, dann ab in den Baumarkt und das doppelseitige Klebeband und den PVC gekauft. Mit dem Klebeband ist das hier so eine Sache. Wir haben nicht wirklich etwas gutes gefunden. Es ist schwer, so ein gutes dickes Klebeband zu bekommen wie bei uns. Außerdem ist das Klebeband hier auch nicht gerade günstig. Sprühkleber kann auch echt gut sein. Der alte Boden war mit Sprühkleber aufgeklebt. War schwierig beim abmachen aber hat seinen Dienst getan. Also entweder nimmst Du Spühkleber oder Klebeband.

Dann hab ich einfach die alten Stücke auf den Boden gelegt und als Schablone genommen. Das ist eigentlich die beste und schnellste Möglichkeit. Dann wurde der PVC kurz noch einmal angelegt, nachgeschnitten und wieder angelegt. Dann kommt das Klebeband auf den Boden und der PVC wird aufgeklebt und festgeklopft. Klingt ganz einfach, ist es auch. Nimm nicht zu große Stücke auf einmal. Wir hatten den Vorteil, dass wir zwei mittlere Stücke hatten und dann noch einmal zwei kleine Stücke, dass waren zwei blöde Ecken. Dann als alles verlegt war habe ich noch das Loch für das Tischbein ausgeschnitten und die Leisten wieder angebracht. Ging eigentlich einfach und war mit dem Einkauf und dem aussuchen des Bodens genug Arbeit für einen Tag.

Schranktüren

Ja die Türen und Fronten der Schränke waren auch echt nicht so toll. Eine hatte sogar lauter Tierfotos aufgeklebt. Also haben wir überlegt ob wir das Holz abschleifen und neu streichen und die Innenplatten mit Folie bekleben. Bei uns Zuhause gibt es ja eine riesige Auswahl DC Fix, das ist ja so eine Folie in allen möglichen Farben oder Mustern. Hier gibt es die nicht, zumindest nicht diese Auswahl. Wir waren in drei Baumärkten und mehreren Warehouses. Und endlich bei einem Baumarkt hatten wir dann Glück. Ich glaube eine Rolle kostete hier so um die 20 Dollar. Und wir brauchten zwei davon. Naja hilft ja nichts.

Also haben wir erstmal alle Türen und Fronten abgeschraubt und Charly hat diese dann einfach neu beklebt und zurechtgeschnitten. Die Kühlschranktür musste dann auch dran glauben und dabei konnten wir dann direkt die Dichtung mal richtig sauber machen.

Das mit dem Streichen haben wir gelassen. Das Holz war eigentlich noch fast überall in Ordnung. Und das wäre auch wirklich sehr viel Arbeit gewesen…:-)

Vorhänge

Das war wirklich die schwierigste Angelegenheit. Erst einmal sind wir hier in Auckland in ein Gardinengeschäft. Die Damen dort waren super freundlich hilfsbereit und haben uns wirklich geholfen. Wir haben erklärt was wir brauchen und was wir suchen. Da wir keine Zeit hatten 3 Wochen auf die Anfertigung zu warten, hat man uns dazu geraten fertige Gardinen zu kaufen. und selbst abzuschneiden und umzunähen. Das haben wir dann auch so gehalten. Wir haben alle Vorhänge abgenommen und die Damen haben die Maße genommen und dann sind wir durch den ganzen Laden und haben das passende Material gesucht. Das war nicht ganz so einfach. Der Preis spielt hier ja immer eine Rolle. Wir haben dann aber den passenden Stoff gefunden und es gab auch noch genügend Meter.

Damit ging es dann schnell nach Hause und wir haben an zwei Tagen alles soweit fertig gemacht. Also nochmal mindestens einmal alles nachgemessen und dann Stück für Stück die Vorhänge abgeschnitten und umgenäht. Zum Glück hat Charles Tante eine Nähmaschine. Damit ging dass dann eigentlich Ruck Zuck. Ganz am Ende haben wir dann gesehen, dass die alten Vorhänge sogar Doppelt waren, man hatte wohl irgendwann einfach neuen Stoff über die alten Vorhänge drüber genäht. Eigentlich ne ganz gut Idee. Für uns war das aber zu spät. Und ich hoffe das wir mindestens 5 PS rausgeholt haben, weil Arthur ja jetzt enorm an Gewicht verloren hat.

Streichen

Ja und dann war da natürlich noch die wunderbare Farbe. Wenn wir in Irland unterwegs wären, hätten wir es ja so gelassen. Hier in Neuseeland haben wir uns aber gedacht, dass es etwas weniger Grün werden sollte. Bei der Farbe waren wir pragmatisch, klar war, dass es auch hier etwas helles werden soll, damit es nicht zu eng wird. Der Boden ist ja relativ einfach und da sollte fast jede Farbe zu passen. Charlys Onkel und Tante haben noch Farbe in der Garage stehen. Also haben wir nicht lange gefackelt und haben die Farbe genommen. Ein schönes Beige, das ist viel viel besser als Grün.

Ich glaube zum streichen muss man nicht viel schreiben. Abkleben, streichen, fertig.

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Fliegengitter

Oh ja, die braucht man sicher. Wir haben in Australien schon die lustigsten DIY-Fliegenschutz umbauten gesehen. Einige hatten ein komplettes Moskitonetz über den Camper geworfen. Das ist zwar praktisch, weil du kannst die Heckklappe oder die Schiebetür komplett auflassen. Aber ich glaube so wirklich gut ist es dennoch nicht.

Als wir dann nach nem Camper in Neuseeland gesucht hatten haben wir einen gefunden der Fliegengitter von außen vor die Fenster geschraubt hatte. Das wirkt erstmal sehr seltsam. Aber das waren nicht diese normalen Stoffdinger, sondern richtig stabile teile. Also eher sogar noch so eine Art Einbruchschutz. Denn da kommt so einfach niemand durch. Schön war aber auch was anderes.

Wir hatten die Idee, einfach so Fliegengitter zu kaufen, wie man das in Deutschland beispielsweise von Tesa bekommt. Und dann mit Magnetklebeband von Innen befestigen. Die Idee ist super und die Umsetzung, dafür dass man sich auf einer Insel befindet und natürlich kein Fliegengitter für 2,50 Euro findet, doch recht einfach. Im Baumarkt gibt es Fliegengitter auf der Rolle in verschiedenen Stärken. Wir haben eines genommen das nicht ganz labbelig ist, aber trotzdem nicht zu starr. Dazu dann mehrere Rollen mit Magnetklebeband. Das war dann wieder recht teuer hier in NZ, aber was tut man nicht alles.

Baumarkt

Der Verkäufer war auch super und hat uns erstmal erzählt wie das war, als er mit seiner Mutter und Schwester vor 30 Jahren auf der Südinsel war. Seine Augen haben richtig gestrahlt, als er uns erzählt hat wie seine kleine Schwester auf der Toilette fas von Sandflys aufgefressen wurde:-)

Und genau die waren teilweise auch unser Problem. In Australien gab es die zum Glück nicht. Aber hier in Neuseeland können die schon zu einer Plage werden.

Also Fliegengitter. Ich habe die Scheiben ausgemessen. Und dann das Fliegengitter grob auf das richtige Maß abgeschnitten. Dann habe ich das Gitter angehalten und noch einmal nachgeschnitten. Danach habe ich das Magnetklebeband auf das Fliegengitter geklebt und gut fest gedrückt. Dann an die Tür damit. Du kannst es natürlich auch so machen, dass Du das Magnetklebeband erst an der Tür befestigst und dann auf das Klebeband das Fliegengitter aufklebst und dann zurecht schneidest. Mir war es anders herum angenehmer. Aber das muss man einfach versuchen.

Außen oder Innen?

Gute Frage! Einfacher und auch angenehmer in der Handhabung ist es, wenn Du das Fliegengitter mit dem Magnetband von außen an die Tür machst. Dann muss man es allerdings beim fahren immer wieder abmachen und verstauen. Da wir Magnetband hatten das auf das Fliegengitter geklebt wurde, wollte ich es nicht riskieren und jeden Tag das Fliegengitter zusammenrollen. Möglicherweise klebt es dann irgendwann nicht mehr so gut.

Also haben wir es von Innen befestigt. Das ist ein wenig mehr Arbeit, weil man nicht überall so gut ran kommt. Außerdem musst du natürlich, wenn Du das Fenster aufmachen willst, das Fliegengitter kurz zur Seite machen. Zumindest bei nem richtigen Camper. Hast Du ein Van oder ein Auto, dann hast Du ja auch eine Kurbel und musst nicht direkt an die Scheibe um diese zu öffnen.

Ich muss sagen für uns was das Fliegengitter echt Gold wert. Wir haben nachts auch oft die Fenster offen gehabt und es kam fast nichts rein. Die ein oder andere Sandfly, hat es dann doch mal geschafft und ist durch die kleinen Löcher gekrochen. Aber das war wirklich super selten.

Leider habe ich gar kein Foto, auf dem man nur die Fliegengitter richtig sieht.

Extratipp:

Ich glaube, wenn Du ein Magnetband ohne Klebeseite nimmst und am Abend das zurechtgeschnittene Fliegengitter einfach abends von außen an der Tür befestigst, ist es am einfachsten. Dann kannst Du das Fliegengitter ja einfach zwischen Tür und Magnetband einklemmen. Das ist dann auch dicht und es gibt keine Klebeseite die irgendwann nicht mehr klebt.

Das waren mal so ein paar Kleinigkeiten, die wir in Neuseeland umgesetzt haben. Ich hoffe, dass wir dieses oder nächstes Jahr ein Projekt in Deutschland starten und dann noch sehr viel mehr Umbautipps für Euren Camper geben können.

Dann gibt es auch ein paar mehr Fotos, leider haben wir im ganzen Stress nicht daran gedacht alles vernünftig zu dokumentieren.

Schrank:

Nachdem wir ja in den ersten Tagen schon allerhand Probleme hatten, weil wir nicht alles richtig zugemacht hatten… Haben wir uns dann doch noch etwas überlegt um uns gegen unsere eigene Schusseligkeit zu sichern.

Und zwar gibt es hier überall diese einfachen Gardinenseile. Das sind meist weiße Federförmige Seile die mit einem Gummimantel überzogen sind. Dabei sind dann Schrauben die einfach in die Wand kommen. Dann wird das Seil auf die richtige Länge geschnitten und jeweils eine kleine Schraube in die Mitte der Feder geschraubt. Dann eingehängt und fertig. Wir haben dies so für unsere Gardine über dem Führerhaus genommen. Auch haben wir noch eine an der Seite gehabt, wo wir dann Karten dran hängen konnten, oder auch mal ein Handtuch zum trocknen.

So und davon hatten wir noch welche übrig. Also habe ich die auf die richtige Länge geschnitten und dann in den Schränken vorne festgespannt. So kann nichts rausfallen, auch wenn wir mal wieder vergessen den Schrank richtig zu zumachen. Eigentlich ne klasse Idee. Probiert es mal aus.

Willst Du wissen, was man so alles auf der Reise gebrauchen kann? Wir haben dir in einem anderen Artikel mal aufgelistet, mit welchen Sachen wir so reisen und was bei uns auf keinen Fall fehlen darf. Schau dir den Beitrag hier direkt an.

Also bis dahin erstmal.

Haut rein.

Micha

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3 Replies to “DIY – Wie Du deinen Camper aufmotzt”

  1. Habt ihr toll gemacht mit Arthur 🙂

    Ist richtig schön geworden 🙂

  2. Wenn man so liest, wieviel Arbeit ihr da in NZ mit dem Arthur hattet, dann dürft Ihr euch später zu Hause erst mal ausruhen. Ihr braucht dann mal Urlaub.

    1. Oh ja. Arbeit war das auf jeden Fall. Aber Spaß gemacht hat es auch. Wie ruhen uns ja jetzt erstmal in Thailand aus und genießen die Sonne. In Deutschland muss es erstmal wieder warm werden!:-)

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